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  • Benedikt Jorns 05.01.2010

    @Thomas Maisch

    Die erneuerbaren Energien und die Kernenergie müssen in nicht allzu ferner Zukunft zusammen unseren gesamten Energiebedarf decken. Davon sind wir heute noch sehr weit entfernt. Einzig die Nutzung von Biomasse kann weltweit einen spürbaren Anteil von 11% leisten. Die Anteile der Kernenergie mit ca. 6.5% und der Wasserkraft mit ca. 2.2% sind eher bescheiden. Die Anteile der Windkraft, der Solarenergie sowie der übrigen erneuerbaren Energien zusammen sind weltweit heute noch im mikroskopischen Bereich von deutlich weniger als 1%.

    Und wir diskutieren, welche dieser Energieformen mehr CO2 erzeuge? Da haben wir wohl den zu gehenden Weg etwas aus den Augen verloren! Diese Primärenergien tragen alle dazu bei, dass wir von unserem horrenden CO2-Ausstoss wegkommen. Wenn wir vom CO2-Kreislauf bei der Nutzung von Biomasse absehen, entsteht CO2 nur, wenn bei der Gewinnung, der Aufbereitung und beim Transport dieser Energien heute noch fossile Brennstoffe im Spiel sind.

    Zugegeben: Die Quelle „Dones et al. 2004“ scheint mir schon etwas alt zu sein. Zudem sind die speziell für die Schweiz ermittelten Werte in Bereichen wie etwa der Windenergie kaum sehr aussagekräftig. Eine umfassende CO2-Bilanz der verschiedenen Energiequellen zu erstellen, ist sehr anspruchsvoll. Es sind dabei möglichst alle beeinflussenden Faktoren zu berücksichtigen. Je nach angewendeten Verfahren bei der Brennstoffgewinnung und deren Aufbereitung, der Abfallbeseitigung sowie dem Bau der erforderlichen Anlagen sind für jede Energiequelle minimale und maximale CO2-Belastungen möglich. Bewertungen durch Kernkraftwerkbetreiber und deren Gegner sind durchwegs zu wenig objektiv. Die Studien müssen streng wissenschaftlich durchgeführt und in ihrer Entstehung transparent sein. Grundsätzlich müssen sie neutral und daher staatlich finanziert werden. Folgende CO2-Bilanz des wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages (Verfasser: Dr. Daniel Lübbert, 2007) erfüllt diese Bedingungen: „CO2-Bilanzen verschiedener Energieträger im Vergleich - Zur Klimafreundlichkeit von fossilen Energien, Kernenergie und erneuerbaren Energien.“ Hier die interessanten Ergebnisse: http://www.happy-working.ch/CO2-Bilanz.pdf sowie der Link zur gesamten Publikation: http://www.bundestag.de/wissen/analysen/2007/CO2-Bilanzen_verschiedener_Energietraeger_im_Vergleich.pdf). Die Studie zeigt, dass Wasser- (4-13g CO2 pro kWh) Wind- (8-16g) und Kernkraft (16-23g) bei der Berücksichtigung aller CO2-verursachenden Aspekte hervorragende CO2-Belastungen aufweisen. Die Photovoltaik (80-160g) weist zur Zeit noch eine grosse Differenz zwischen min. und max. CO2-Belastung auf. Schlecht stehen bekannter weise die fossilen Brennstoffe da (bis über 1’000g). Immerhin sind auch hier beträchtliche Unterschiede zu beobachten. Erdgas verursacht wesentlich weniger CO2 als Stein- und vor allem Braunkohle.

    Es gibt wohl kaum Studien über die CO2-Belastungen von Kernkraftwerken, welche die Beschaffung und die Aufbereitung des Urans nicht berücksichtigen. Die diesbezügliche Kritik von Thomas Maisch an der Studie von „Dones et al. 2004“ ist ganz einfach daneben und dient uns nicht. Er vergleicht zudem Studien mit völlig verschiedenartigen Vorgaben. Hier wird dargelegt, wie heute in unseren KKW die CO2-Belastung insgesamt aussieht. Thomas Maisch nennt zwar keine Quellenangabe, doch spiegeln die von ihm angegebenen Werte mir bekannte Studien, welche nicht die heutige Urangewinnung betrachten, sondern hypothetische Annahmen für die Zukunft machen. Dabei wird angenommen, die auszubeutenden Erze hätten nur noch einen sehr kleinem Urangehalt. Zukünftige Reaktoren (etwa ab 2030) werden jedoch vermehrt die Isotope Uran-238 und vor allen Thorium-232 nutzen und dann haben wir eine ganz andere Brennstoffbeschaffung als heute. Experten gehen davon aus, dass die Brennstoffbeschaffung für die Kernspaltung in den nächsten paar tausend Jahren kein grosses Problem sein sollte. Bis dann ist eine Ablösung durch die nochmals wesentlich effizientere Kernfusion wahrscheinlich schon lange vollzogen.

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