Dialogforum

Warum stockt die Strommarktliberalisierung?

26.01.2010

In der Schweiz können Grosskunden, die mehr als 100 MWh Strom pro Jahr beziehen, seit dem 1. Januar 2009 ihren Lieferanten frei wählen (Privatkunden voraussichtlich ab 2013). Die Wechselrate liegt bislang aber praktisch bei null, wie VSE-Präsident Kurt Rohrbach am diesjährigen Stromkongress erklärte.

Als Grund für die schlechte Wechselrate nannte Rohrbach unter anderem Artikel 4 der Stromversorgungsordnung, der einem Stromkunden erlaubt, zwischen Marktpreis und Gestehungskosten zu wählen. Als Marktpreis wir der Durchschnitt der täglich börsengehandelten Preise für Elektrizität in der Schweiz bezeichnet, während mit Gestehungskosten die Kosten zur Erzeugung von Strom gemeint sind. Dank des grösstenteils abgeschriebenen Schweizer Kraftwerkparks bleiben die Gestehungskosten bis auf weiteres klar unter dem Niveau des Marktpreises. Dies hält viele Kunden von einem Wechsel ab. Artikel 4 der Stromversorgungsordnung sei daher marktverzerrend, so Rohrbach.

Zudem werde laut Rohrbach die Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) von vielen Konsumenten nicht – was der Realität entspricht – als gesetzliche Abgabe wahrgenommen, sondern vielmehr als weitere Gebühr der Branche. Auch diese bremse die Wechselbereitschaft.

Teilen Sie die Einschätzung des VSE-Präsidenten oder gibt es andere Gründe, die die Wechselbereitschaft von Stromkunden hemmen?

  • Gian Schelling 28.01.2010

    3 Gründe:
    1. Strom ist zu billig aufgr. Überangebot: Offensichtlich gibt es nicht genügend Unternehmen, welche sich gezwungen sehen, ihren Strom-Anbieter aus Kosten-Grünen individuell zu optimieren. Ergo: Strompreise im allgemeinen sind so günstig, dass sich niemand darum kümmert. Von "Stromlücke" keine Spur!
    2. Den ersten Grund verstärkend ist Rohrbach's Einschätzung richtig, dass Preis = Gestehungskosten als Option unmarktwirtschaftlich und ebenso unsinnig ist. Zumindest aus Sicht der Stromproduzenten und der Umwelt. Und aus buchhalterischer Sicht wenn derzeit Abgeschriebenes "ausgenutzt", statt in Neues und Zukunftsweisendes investiert wird.
    3. Strom ist langweilig. Es besteht in der Schweiz immer noch zu wenig Möglichkeit, sich im Markt als Green Player zu profilieren durch den ausschliesslichen Verbrauch erneuerbarer Energie (statt preisverzerrt billigen AKW-Stroms) und entsprechender grüner Stromanbieter.

    3 Implikationen:
    1. Weg mit der ewigen Drohung einer "Stromlücke" wenn wir schon so viel Strom haben, dass er zu billig ist.
    2. Weg mit der Gestehungskosten-Option
    3. Verpflichtung der Stromerzeugung zur Einkalkulation künftiger Investitionen in die Gestehungskosten, INKL. der benötigten Kosten für evtl. AKW-Neubau (jüngstes Bsp aus Finnland Olkiluoto: Kostenexplosion in der Bauphase von veranschlagten 4.5 Mrd. CHF zu derzeit 8 Mrd. CHF)
    Diese 3 Massnahmen könnten die Energiewende in Richtung Zukunft (d.h. Erneuerbare Energien) auch in der Schweiz einläuten.

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  • MICHAEL 29.01.2010

    Kernenergie ist umweltfreundlicher!

    In Japan, China und Indien werden zahlreiche neue KKW gebaut und so die Stromlücke verhindert.

    Bei uns spart die Rezession etwas Strom, aber danach steigt der Verbrauch wieder rasant!

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  • Markus Schellenberg 13.02.2010

    Der Artikel 4 der StromVV sieht vor, dass alle Netzbetreiber ihren Tarif zu Gestehungskosten berechnen müssen, oder falls der Grosshandelspreis tiefer ist, zu letzterem. Jeder Verbraucher, der den Tarif verlässt und den freien Markt wählt, kennt die Verordnung offenbar nicht!
    Der Gesetzgeber hat sich offenbar selbst überlistet, als er einerseits die Marktöffnung forcieren wollte, und danach dem Konsumenten den Zugang zu den tiefen Gestehungskosten in der Schweiz gewähren wollte.
    Aber all dies hilft uns nicht weiter, wenn es darum geht sich eine Gesellschaft vorzustellen, welche weniger verschwenderisch mit seinen Resourcen umgeht!

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  • M TALGLOCKE 15.02.2010

    Wir brauchen keine Mangelgesellschaft nach kommunistischem Muster, wir brauchen eine angebotsorientierte Energiepolitik die richtig "Gas" oder eben "Atom" gibt.
    Drei neue Kernkraftwerke für eine sichere und nachhaltige Stromversorgung in der Schweiz!

    Für unsere sichere Energiezukunft: www.kettenreaktion.ch !!!

    antworten
  • CV 25.02.2010

    1. Kernenergie ist nicht CO2-frei. Schon einmal berechnet, welche Energie zum Rückbauen der alten Atommeiler nötig ist und für min. 25.000 Jahre = rd. 500-1000 Menschen-Generationen sicheren Einschluss (= Lüftung, Überwachung, kontrollierte Abscheidung?
    2. Kernenergie ist nicht nachhaltig: Ich werde niemals verstehen, wie eine Gesellschaft ihren Energiehunger für 1 Jahr befriedigt und dafür Abfall für min. 25.000 Jahre hinterlässt., der eben nicht einfach kompostiert werden kann und im nächsten Jahr verschwunden ist.

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  • Peter Bachmann 19.05.2010

    Früher bezahlte man seinen Stromverbrauch, also kWh. Heute sind über 40% der Kosten Abgaben an:
    - Mwst: Wo ist denn da ein Mehrwert?
    - Zählermiete: Ich würde ihn auch kaufen!
    - Netzgebühren: Daran arbeitete schon Tesla
    - Gesetzliche Förderabgaben: Aha, darum warten 5000 Stromproduzenten auf die KEF!?
    - Leistung an die Gemeinde: Was hat denn die damit zu tun?
    - Es fehlt nur noch die Kirche, ihren Obolus zu fordern, weil ja Gott über das Ganze wacht -Hahaha;-(

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