Entwicklung der Strompreise in der Schweiz und Europa

Im Jahr 2009 sind die Strompreise für einen mittelgrossen Haushalt durchschnittlich um 7,6 Prozent gestiegen. Für 2010 wurde ein weiterer, wenn auch sehr moderater Anstieg von 1 Prozent prognostiziert. Ein genauerer Blick auf die Entwicklung der letzten zwei Jahrzehnte zeigt allerdings, dass die Strompreise heute unter dem Niveau der frühen 90er Jahre liegen. Warum aber steigen die Preise? Wie setzen sie sich zusammen? Und wo steht die Schweiz im Vergleich zum europäischen Ausland?

Die Preise für Strom steigen kontinuierlich. Während 2009 der Preisanstieg noch 7,6 Prozent betrug, rechnet der Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) für 2010 nur mit einer sehr moderaten Teuerung von 1 Prozent. Der Preisanstieg erklärt sich in erster Linie aufgrund gestiegener Investitionen in Netz und Kraftwerke, mehr Abgaben und Steuern sowie der Strompreisverteuerung im europäischen Ausland, die sich auf den Preis des Importstroms niederschlägt. Ein anderes Bild zeigt sich beim Preis für die Herstellung des Stroms, der seit 1995 um rund 15 Prozent gesunken ist. Dank dieses Umstandes liegen die Strompreise heute trotz der neuerlichen Preisanstiege immer noch unter dem Niveau der frühen 90er Jahre.

Die Netzkosten sind 2009 im Vergleich zu den vergangenen Jahren um rund zehn Prozent gestiegen. Grund dafür sind die Mehrkosten, die bei der neu gegründeten nationalen Netzgesellschaft swissgrid durch den Systemwechsel im Zug der Liberalisierung des Marktes und die damit verbundenen Ausgaben für Investitionen, Betrieb und Reservehaltung anfallen.

Auch die Einführung der Förderabgabe für erneuerbare Energien (KEV) hat den Strompreis um 0,45 Rp pro kWh Strom verteuert. Hinzu kommt eine breite Palette von Abgaben, Steuern, Konzessionsgebühren und Auflagen, die Bund, Kantone und Gemeinden auf den Energieträger Strom erheben. Sie machen heute ganze 12 Prozent des Strompreises aus. Der Strom könnte sich weiter verteuern, wenn politische Forderungen wie etwa die Erhöhung der Wasserzinsen, eine Abgabe auf Atomstrom, Speicherzuschläge, Konzessionsabgaben, CO2-Abgaben, Renaturierungs- und Sanierungsbeiträge, Erdverlegungen von Hochspannungsleitungen, Energiesparfonds oder Lenkungs- und Kontrollabgaben umgesetzt werden.

Liberalisierung mit preistreibendem Effekt

Viele erstaunt, dass die Erhöhung der Strompreise mit der Liberalisierung des Schweizer Strommarktes zusammenfällt – man hätte das Gegenteil erwarten können. Marktöffnung bedeutet jedoch nicht automatisch tiefere Preise, sondern vor allem eine Preisentwicklung nach Angebot und Nachfrage. Tendenziell werden sich die Strompreise der internationalen Energiemärkte durch die weltweit steigende Nachfrage in Zukunft weiter verteuern. Hier gilt: Je mehr landeseigene Kraftwerke, desto tiefer der Strompreis.

Zusammensetzung des Strompreises

Die Stromtarife setzen sich aus vier Komponenten zusammen: den Produktionskosten (also der Herstellung des Stroms), den Netzkosten (d.h. dem Transport des Stroms über das Netz vom Kraftwerk bis zu den Konsumentinnen und Konsumenten), Steuern und Abgaben sowie der Förderabgabe auf erneuerbare Energien, der so genannten kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV).

Günstiger als im Ausland

Die Preise für Strom bleiben in der Schweiz auch nach den Erhöhungen günstig im Vergleich mit dem europäischen Ausland. Schweizerinnen und Schweizer bezahlen für den Strom rund 5 Rp. oder rund 20 Prozent pro KWh weniger als im europäischen Durchschnitt. Etwas höher als im Ausland schlagen hierzulande lediglich die Netztarife zu Buche. Gründe dafür sind unter anderem die topografischen Verhältnisse der Schweiz und die gegenüber dem Ausland besonderen Anforderungen an die Reservehaltung.

Mehr Eigenkapazitäten = günstigere Preise

Die Strombranche geht davon aus, dass die Preise in einem wettbewerbsorientierten System langfristig günstiger werden. Um konkurrenzfähig und von internationalen Preisentwicklungen unabhängig zu bleiben, benötigt die Schweiz genügend inländische Produktions- und Netzkapazitäten. Für eine sichere, nachhaltige, wirtschaftliche und umweltgerechte Versorgung von privaten und industriellen Stromkonsumentinnen und -konsumenten sollte daher die Möglichkeit geschaffen werden, möglichst viel Strom zu günstigen Gestehungskosten in der Schweiz zu produzieren.

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